3. Dreadpflege

Bevor man mit der Bearbeitung seiner soeben erworbenen Zotteln loslegen kann stellen sich dem frischgebackenem Dreadträger oft folgende Fragen: Was ist das beste für meine Dreads? Wie muss ich das denn machen? Und was brauche ich dafür? Erstmal muss das passende Werkzeug und eine gute Methode gefunden werden. Am besten, man probiert sich einfach mal durch alle Empfehlungen und findet selbst heraus, was den gewünschten Effekt hat und womit man gut zurechtkommt.Also, jetzt mal ganz von vorne…Zur Pflege für die Haarlängen gibt es folgende Utensilien:

Die Häkelnadel: Am beliebtsten bzw. bekanntesten ist wohl die Pflege mit der Häkelnadel. Dazu benötigt man ebendiese wahlweise mit der Stärke 0.6, 0.75 oder 1.0. Größer empfehle ich die Nadel nicht, weil durch einen großen Nadelkopf sonst kleine Löcher in de20151208_201629-1nadelnn Dreads entstehen können. Am Beliebtesten ist wohl die Stärke 0.75, die ist jedenfalls ganz oft ausverkauft =)
Erhältlich sind Häkelnadeln in Wollgeschäften, Bastelläden oder aber auch in manchen Drogerien, wie z.B. Müller. Wer eher dörflich wohnt wird auch im Internet fündig. Toll für längere Häkelsitzungen sind mit Fimo ummantelte Nadeln, der Griff ist breiter und durch das weiche Fimo etwas schonender zu den Fingern bei dauerhaftem Gebrauch. Diese kann man natürlich selber machen oder bei manchen Anbietern über Dawanda bestellen. Verschiedene Häkelmethoden folgen weiter unten im Post.

Die Filznadel: 2015-12-08 20.26.11häkelnadelBeim Thema Filznadeln scheiden sich die Geister. Die einen schwören darauf, dass die Filznadel sparsam dosiert Dreads wunderbar filzig macht und somit sehr hilfreich ist. Die anderen sagen stets Finger weg, denn der Dread wird zwar erst fester, doch auch dünner. Nach kurzer Zeit werden sie wieder weich, doch bleiben dünn.
Fakt ist, dass Filznadeln durch das Stochern im Dread nicht nur filzen, sondern auch die Haare im Dread kaputt reissen, vergleichbare Wirkung ist wie bei einer Säge. Und zu viel gerissenes Haar im Dread kann zum abreissen des Dreads führen. Ich persönlich rate davon ab, da ich das Ergebnis im Verhältnis zu diesem Risiko nicht gut genug finde – Preis/Leistung ist also nicht gegeben.

Wachs: Um Fusselhaare an die Dreads zu kleben wird gerne mit speziellem Dreadwachs oder auch Bienenwachs gearbeitet. Das sieht zwar erstmal ganz schick aus – ist aber nicht nur unnötig, sondern auch kontraproduktiv für den Filzvorgang. Im Wachs, egal in welchem, sind Pflegestoffe(Kokosöl, Vaseline…), die sich um die Dreads legen und die einzelnen Haare ummanteln. Durch diesen Mantel sind die Haare fettig, und fettiges Haar filzt schlecht. Nach kurzer Zeit stehen die Fusselhaare wieder ab, das Wachs hängt trotzdem noch im Dread und ist schwer wieder auszuwaschen – und somit oft auch Grund für muffigen Geruch im Haar.

Eine Gitarrensaite: Statt die Haare mit einer Häkelnadel einzuhäkeln kann man lose Haare auch mit einer Gitarrensaite zurück in den Dread befördern. Dazu schneidet man etwa 20cm einer Saite ab, knickt sie in der Mitte und klebt die beiden langen Seiten zusammen, so dass vorne eine etwa 4-5cm lange Schlaufe entsteht.

20151204_143751(0Saite)

Um sie besser zusammenzuhalten könnte man die beiden Enden durch das Plastikröhrchen eines Wattestäbchens führen und dahinter mit Gaffaband oder Ähnlichem zusammenkleben. So hat man einen praktischen Griff. Ich habe auch gelesen, dass man die beiden Enden zusammenlöten kann, das soll super halten. Wie auch immer man sich entscheidet, das Werkzeug ist dann fertig. Funktionieren tut das ganze dann in etwa so:

Die Saite wird mit Schlaufe voran durch den Dread geschoben, auf der anderen Saite steckt man die losen Haare durch die Schlaufe, dann zieht man die Saite wieder zurück aus dem Dread heraus – Fertig! Diese Methode ist sehr präzise, da wirklich nur die Haare mitgenommen werden, die man durch die Schlaufe steckt, anders wie bei der Häkelmethode, bei der man auch gerne mal ausversehen die losen Haare des Nebendread erwischen kann. Die Dreads sollen mit dieser Methode sehr schnell fusselfrei und fest werden. Ich finde, diese Methode klingt sehr effektiv, wobei ich mir persönlich nicht vorstellen kann, dass sie schneller funktioniert – ich werde es bald mal ausprobieren =) Schreibt mir doch eure Erfahrungsberichte, ich bin gespannt!

Kommen wir nun zu den Häkelmethoden zur Pflege der Längen: 

Mir bekannt sind drei Methoden, um lose Haare in Dreads zurückzubekommen und die Dreads fester zu machen:

1.Methode      

IMG_20150921_185540zappati

Ich hoffe, meine Zeichnungen sind selbsterklärend =)

2.Methode 20151206_131616-1-1häkelmethode

Vorsicht beim herausziehen der Nadel, sonst reisst man sich schnell die daran festhängenden Haare kaputt. Die Nadel am besten durch Drehbewegungen herausziehen, durch das Drehen der Nadel lösen sich hängengebliebene Haare von selbst und man muss sie nicht durchreissen.Durch diese Methode werden die Dreads schön fest, die Härchen bleiben lange in den Dreads und man hat meiner Erfahrung nach weniger Haarbruch, als mit der Stochermethode. Sie dauert zwar länger, ist jedoch etwas effektiver.

3. Die Stochermethode: 2015-12-06 13.36.05zappatihäkelDer Dread wird mit der einen Hand durch Daumen und Zeigefinger mit leichtem Druch festgehalten und mit der anderen Hand mit der Nadel im Dread herumgestochert, dabei den Dread immer leicht drehen, so dass nicht immer an der selben Stelle gestochert wird. Die Nadel am besten wie oben beschrieben herausdrehen, um Haarbruch zu vermeiden. Ich finde, dass bei dieser Methode viele Haare abbrechen und empfehle sie daher vor allem bei sehr trockenem oder dünnem Haar nicht.

Jetzt sind die Ansätze dran – Die nachwachsenden Haare filzen:
Wenn der Träger von Dreads keine Naturdreads(Wachsen lassen, wie sie wollen) möchte, sollte man die Ansätze von Zeit zu Zeit pflegen und nacharbeiten. Dazu gibt es verschiedene Methoden:

Die Tighten-Roots-Methode: Ein Dread wird am Ansatz etwa einen halben Zentimeter über der Kopfhaut zwischen Zeige- und Mittelfinger genommen (wie man eine Zigarette hält) und anschließend mit leichtem Druck auf der Kopfhaut in kreisenden Bewegungen (immer nur in eine Richtung) verfilzt. Nach 2-3 Minuten wird der Ansatz filzig. Danach kann der Ansatz bei Bedarf gehäkelt werden.
Tipps:
Bei einigen scheinen die Haare trotz gefühlt endlosem Rubbeln nicht filzen zu wollen. Als Hilfsmittelchen kann man zum Reiben einen Peeling-Handschuh überziehen oder eine Antirutschmatte verwenden. Noch einfacher, weil es jeder zu Hause hat: Man nimmt ein kleines, raues Handtuch oder einen Waschlappen zwischen Finger und Dread und reibt dann wie gewohnt auf der Kopfhaut.

Die Backcombing-Methode: Der Ansatz wird mit einem feinzinkigem Metallkamm toupiert und verfilzt dadurch. Danach kann der Ansatz bei Bedarf gehäkelt werden.

Die Durchzieh-Methode: Man zieht den Dread durch den eigenen Ansatz, in dem man möglichst seitlich des Ansatzes mit den Fingern ein kleines Loch freilegt und den Dread anschließend hindurch steckt. Bei mehrmaliger Anwendung dieser Methode immer die Seiten des Lochs zum Durchstecken wechseln. Vorsicht bei dicken Dreads: der Ansatz wird mit der Zeit durch diese Methode dünner. Es ist möglich, dass sie ein Dread bei dauerhafter Nutzung dieser Methode spaltet, also immer gut beobachten, wie es sich entwickelt.

Das Häkeln: Vor allem zu empfehlen, wenn viele Fusselhaare um den Dread sind, die vor dem Filzprozess wieder mit eingearbeitet werden sollen. Dabei die Häkelnadel durch den Ansatz schieben, lose Haare „einfangen“ und in den Dread ziehen. Nadel drinlassen, Dread etwas drehen und Häkelnadel wieder durchschieben, lose Haare einfangen usw.

Mit Haargummis/Schnur: Den Ansatz und die losen Haare mit einem kleinen Haargummi oder einer Schnur zusammenbinden, so dass alles zusammengefasst ist und 1-2 Wochen im Haar lassen. Der Ansatz wird dadurch fester. Anschließend herausnehmen und Häkeln. Vorsicht bei dicken Dreads: der Ansatz wird mit der Zeit durch diese Methode dünner.

Drehen+Stochermethode: Der Dread wird am Ansatz in sich gedreht, bis er sehr fest ist, dann wird er mit Daumen und Zeigefinger festgehalten und etwas zusammengedrückt. Anschließend wird mit einer Häkelnadel in dem Dread „herumgestochert“, bis alles fest ist und der Ansatz so bleibt.

Einige der Ansatzmethoden lassen sich auch gut miteinander kombinieren, z.B. die Tighten-Roots-Methode und anschließend die Stochermethode. Welche die „beste“ Methode ist hängt von der Haarstruktur des Trägers ab – das muss also jeder für sich selbst herausfinden 🙂

Allgemeine Fragen für „Problemzonen“:

Was tun bei dünnen Stellen?
Unregelmäßigkeiten, dünne Ansätze oder dünne Stellen in Dreads können prima mit Bürstenhaar von nicht- bedreaddeden Freunden ausgeglichen werden. Mit Bürstenhaar meine ich die losen Haare, die man nach dem Haare kämmen aus der Bürste ziehen kann. Man legt einen Büschel davon z.B. um eine dünne Stelle im Dread und häkelt die Haare mit ein. Man kann sie bei Bedarf vorher oder wenn sie festgehäkelt sind in der eigenen Farbe färben, da es ja Echthaar ist.
Selbstverständlich geht das auch mit Kunsthaar, das kann man allerdings nicht färben.
Wer beides nicht zur Hand hat und Wollverzierungen schick findet kann dünne Stellen mit Wolle umwickeln, bis die dünne Stelle wieder ausgeglichen ist.

Was tun, wenn die Ansätze zusammengewachsen sind?
Die Ansätze können in den meisten Fällen vorsichtig auseinandergerissen werden. Sollte das ganz und gar nicht funktionieren wollen kann man sie mit einer Haarschere auseinanderschneiden. Danach am besten die abgschnittenen Härchen wieder in die zugehörigen Dreads einhäckeln, dann stehen sie nicht ab, flutschen nicht raus und werden nicht zu dünnen Stellen.

Was tun bei zu dicken Dreads?
Manchmal passiert es, dass Dreads zu dick sind. Die Kopfhaut schimmert durch, man ist mit der Einteilung nicht zufrieden oder sie sind mit der Zeit einfach dicker geworden – die Gründe dafür sind vielfältig. Sollte man warum auch immer nicht zufrieden damit sein, muss man nicht damit leben, sondern man kann dicke Dreads teilen.
Wer es sehr natürlich mag, kann die Durchziehmethode zum Teilen wählen. Das heißt, dass man den Dread mittig durch den eigenen Ansatz steckt. Sobald der Ansatz lang genug nachgewachsen ist, steckt man den Dread wieder an der gleichen Stelle durch. Dies wiederholt man solange, bis sich der Dread auf natürlichem Wege spaltet. Diese Methode ist jedoch sehr langwirig und nur für Menschen mit viel Geduld ratsam.
Am schönsten wird das Ergebnis, wenn man den dicken Dread noch einmal aufkämmt (im Post „Fragen vor dem Dreadden“ beschrieben) und die losen Haare neu einteilt und zwei neue Dreads erstellt.
Sollte das nicht mehr möglich sein, kann man den Dread mit einer scharfen Haarschere mittig von unten nach oben durchschneiden und anschließend beide Dreads rund häkeln. Die Gefahr dabei ist, dass man sich verschneidet oder beide Dreads eine Kante haben, weil die Dreads das Rundhäkeln nicht mitmachen wollen. Aber auch das wäre nur eine Frage der Zeit, bis es wieder schön wird.
Wer sich unsicher ist, sollte dafür lieber zu einem Profi gehen.

Was tun, wenn ich meine Dreads schön gleichmäßig möchte?
Regelmäßig Palm-rollen bringt Dreads in Form und hält sie gleichmäßig. Palm-rollen heißt, den Dread von oben bis unten zwischen den beiden Handinnenflächen hin und her drehen, möglichst schnell und mit leichtem Druck. Das funktioniert bei manchen Köpfen auch ganz gut, wenn man verbogene Dreads nach dem Dutt-Tragen wieder ent-biegen möchte.

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